Die Reise nach Breslau: Tag 15

Mittwoch, 25. Juli: Der lange Weg nach Haus

Nun, vom Mittwoch gibt es gar nicht so viel zu berichten – eine lange Bahnfahrt eben. Ich fahre ja gerne Bahn, aber mit einem voll beladenen Fahrrad ist es doch etwas anderes. Ich mußte früh aufstehen, weil ich mich entschlossen habe, den Zug um 7 Uhr zu nehmen, um noch am selben Tag Münster zu erreichen. Ich fuhr also zuerst mit dem Regionalzug nach Dresden, dann mit einem weiteren Regionalzug nach Leipzig und stieg dort in einen Intercity nach Hannover. Dieser Zug fing sich ein wenig Verspätung ein, dafür kam dann kurz vor Hannover die Ansage, dass mein Anschlusszug ausfalle und ich mich an den Servicepoint wenden solle. Also, nichts wie runter.

Fahrrad im IC

Mein Fahrrad im IC von Leipzig nach Hannover

Am Servicepoint erfuhr ich, dass es einen Ersatzzug gäbe, am selben Gleis wie der ursprüngliche Zug (und das heißt: am Gleis gegenüber von da, wo ich ankam). Also wieder auf. Der Ersatzzug fuhr mit einer halben Stunde Verspätung ein und wieder ab, so dass von vornherein klar war, dass es mit dem Anschluss in Osnabrück (Regionalzug) nichts werden würde. Glücklicherweise fuhr ziemlich passend zu meinem IC ein IC von Osnabrück nach Münster. Eine junge Familie mit Rädern hatte dasselbe Problem wie ich, so dass wir uns in Osnabrück zusammentaten und gemeinsam zu dem Gleis gelangten, an dem der Intercity fuhr, und da war auch genug Platz für die Fahrräder. Und weil so ein Intercity eben schneller fährt und weniger hält als ein Regionalexpress, erreichte ich Münster nur zehn Minuten später als ursprünglich geplant. Für eine Zugreise von 12 Stunden ist eine Verspätung von 10 Minuten ganz in Ordnung.

Fahrrad im IC

Mein Fahrrad im Ersatz-IC von Hannover nach Osnabrück

Und so schlug ich gegen halb acht wieder an meinem Startpunkt auf, unserem Verbindungshaus in der Piusallee, und zum Abschluss der Reise wurde ich dann gleich spontan zum Grillen eingeladen. Besser geht es doch kaum 😉 Und so endete meine große Reise, wie sie angefangen hatte: Mit einem kühlen Getränk unter Freunden.

Voriger Teil: Tag 14

Gesamtbilanz: Start: Münster (11.07., 9:30); Ende: Breslau (23.07., 12:00)                                        
Gesamtstrecke: 910,12 km; Zeit: 54:30:51; Avg.Speed: 16,50; Max Speed: 56,93

 

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Die Reise nach Breslau: Tag 14

Dienstag, 24. Juli: Bilder aus Breslau

Am Montag war die Batterie meiner Kamera am Ende, aber am Dienstag habe ich noch weiter die Stadt erkundet und allerlei Bilder gemacht. Hier also eine Auswahl:

Dizzy Daisy Hostel

Summer Hostel: Im Sommer Hostel, sonst Studentenwohnheim.

Brücke

Die Zwierzyniecki-Brücke über einen Oderarm

Jahrhunderthalle

Hala Stulecia (Jahrhunderthalle) mit Iglica

Jahrhunderthalle

Jahrhunderthalle und Springbrunnenteich mit Pagode

TU

Die Technische Universität – das runde Teil soll wohl ein Modell eines Atoms sein

Blick über die Stadt

Blick über die Stadt vom Turm des Doms aus

Rathaus

Und zum Abschluss noch einmal: Das Rathaus

Ich war den ganzen Tag mit langen Ärmeln unterwegs wegen meines Sonnenbrands, aber das war nicht schlimm. Und ich habe auch meine Brille wiederbekommen: Richard hatte sie irgendwie binnen eines Tages nach Breslau geschafft und sie mir dann heil am Bahnhof übergeben. Ganz großen Dank noch einmal an dieser Stelle.

Das Fahrrad habe ich an diesem Dienstag nicht angefasst – es stand den ganzen Tag im Gepäckraum des Hostels 🙂

Voriger Teil: Tag 13 – Nächster Teil: Tag 15

Die Reise nach Breslau: Tag 13

Montag, 23. Juli: This Is The End

Es ist vollbracht! Am 13. Tag meiner Reise habe ich Breslau erreicht, und zwar bei strahlendem Sonnenschein. Es waren ja von Środa Śląska aus nur knapp 30 Kilometer zu fahren, und die letztendlichen Zahlen habe ich dann am Ring aufgenommen, dem alten Marktplatz mit dem Rathaus. Es herrschte übrigens strahlender Sonnenschein, fühlte sich endlich wie Sommer an.

Stadtgrenze

Die Stadtgrenze von Breslau

Nun, kaum war ich angekommen, erreichte mich auch eine SMS von Couchsurfer Richard aus Breslau, der dann eine Viertelstunde später zu mir stieß, und er hat mir dann per Fahrrad ein wenig die Stadt gezeigt. Dabei habe ich so gründlich Sonne abbekommen, dass ich mir an den Armen, speziell den Oberarmen, einen kräftigen Sonnenbrand zugezogen habe, so dass ich morgen wohl nur mit langen Ärmeln raus kann. Mist, schlecht geplant. Aber was soll es?

EM-Stadion

Das EM-Stadion, in dem vor wenigen Wochen noch großer Fußball gespielt wurde

Ich schlafe jetzt doch im Hostel, da von den angefragten Gastgebern keiner in Frage kommt (die meisten sind gar nicht da, weil halt Sommer ist und viele verreisen). Ich habe hier ein nettes Einzelzimmer, das sauber ist, aber etwas schäbig wirkt. Es ist klein und warm (Sonne drauf), dafür ist aber ein funktionierender Kühlschrank enthalten, und ins Internet kann ich hier auch (das W-LAN des Hostels recht auch bis hier oben).

Rathaus

Das Rathaus vo Breslau – im Vordergrund mein Fahrrad

Am Abend war ich beim CouchSurfing-Treffen in der Kneipe „Czarny Kot“ (Schwarze Katze), es war aber nicht viel los, weil erstens viele verreist sind und zweitens gerade ein Filmfestival am Ring läuft, bei dem auf großer Leinwand Filme gezeigt werden (heute ein polnischer Film, den ich eh nicht verstanden habe). Marcin, der mit das Treffen empfohlen hatte, blieb aber lang, und wir haben uns bis Mitternacht unterhalten. Und dann bin ich zurück ins Hostel und gehe jetzt gleich schlafen.

Dominsel bei Nacht

Die Dominsel bei Nacht (rechts die TU)

Leider hat heute am Tag meine Kamerabatterie schlappgemacht. Ich habe sie im Hostel wieder aufgeladen, aber viele Bilder konnte ich heute nicht machen. Deswegen lege ich morgen noch ein paar nach 🙂 Also, ein letztes Mal: Gute Nacht.

Start: Sroda Slaska (9:30); Ende: Breslau (12:00)                                        
Tagesstrecke: 75,63 km; Zeit: 4:43:27; Avg.Speed: 16,00; Max Speed: 44,33

Voriger Teil: Tag 12 – Nächster Teil: Bilder

Die Reise nach Breslau: Tag 12

Sonntag, 22. Juli: Kurz vor Schluß

Ich habe es heute bis kurz vor Breslau geschafft, und wenn ich richtig reingehauen hätte, wäre das Ziel wohl auch dringewesen, aber ich möchte lieber fit und fröhlich in Breslau einfahren als abgekämpft nach 110 Kilometern. Und so habe ich heute nach 75 Kilometern in Środa Śląska mein Nachtquartier gewählt, gerade 30 Kilometer vor den Toren Breslaus. Der Tag war sonnig und warm, ich habe sogar zwischendurch aufs Trikot verzichtet und bin im Unterhemd gefahren, um meinen Schultern auch mal etwas Sonne zu gönnen.

Verfahren

Eine verfahrene Situation: Auf diesem Weg kam ich dann doch nicht weiter…

Im Wesentlichen habe ich mich heute durch die Dörfer geschlagen, erst 15 Kilometer vor Schluss bin ich wieder auf die 94 Richtung Breslau zurückgekehrt. Deswegen (und wegen eines Schlenkers bei Legnica) sind es heute so viele Kilometer geworden – ich hatte eher um die 50 erwartet. Seid drum, ich bin jetzt hier, im Hotel für läppische 90 Złoty, also etwa deutscher JH-Preis. Das Niveau ist etwas höher, aber gar nicht so viel. Immerhin ist es sauber und Internet per Haus-W-LAN ist kostenlos mit drin.

Legnica

Legnica (Liegnitz)

Dorf

Durch die Dörfer eben 🙂

Das große Problem des Tages ist, dass meine Brille fehlt. Ich wollte heute Abend nach getaner Tagestour die Linsen wegpacken und die Brille aufsetzen, aber die Brille war und ist nicht in ihrer Box. Das heißt, dass sie noch in Złotoryja liegen muss, denn dort hatte ich sie das letzte Mal in der Hand, als ich am Morgen die Linsen reingetan habe (und zu dem Zeitpunkt war alles weitere fertig gepackt, ich brauche also nicht einmal meine Sachen durchwühlen). Das ist jetzt kein Weltuntergang (ich habe ja die Kontaktlinsen), aber unpraktisch, zumal ich jetzt erstens rausbekommen muss, ob die die Brille gefunden haben, und zweitens einen Weg finden muss, wie ich sie wiederbekomme.

Środa Śląska

Środa Śląska (Neumarkt in Schlesien)

Ich habe gleich mal dort angerufen, aber ich hatte die Dame dran, die nur polnisch kann, was ich eben nicht so gut kann (bei meiner Ankunft war die Kollegin da, die auch Englisch konnte). Ich werde es morgen noch einmal versuchen, vielleicht ist dann die andere wieder da, oder ich habe einen freundlichen polnischen Couchsurfer zur Seite, der das Gespräch auf Polnisch führen kann. Wird schon irgendwie.
Muss. Bis dahin: Gute Nacht.

Alt und neu

Ring und Rathaus von Środa Śląska: Eins von knapp 40 Vergleichsbildern, die vor der Kirche aushingen.

Start: Złotoryja (9:30); Ende: Środa Śląska (16:30)                                     
Tagesstrecke: 75,63 km; Zeit: 4:43:27; Avg.Speed: 16,00; Max Speed: 44,33

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Die Reise nach Breslau: Tag 11

Samstag, 21. Juli: Oh sonniges Polen

Mein erster Tag in Polen lief ganz prima, also richtig gut. Ich erwachte in meinem JH-Zimmer im Dunklen, denn die Vorhänge taugten wirklich was, aber als ich sie öffnete, erwartete mich ein blauer Himmel und Sonnenschein. Voll motiviert machte ich mich fertig, ging frühstücken und verließ das Haus gegen 9 Uhr, was dann doch zu früh war, um das wundervolle alte Kaufhaus in der Stadt von innen zu bewundern (es war mir empfohlen worden). Stattdessen fuhr ich herunter zum Fluss und überquerte die Brücke, ergo die Grenze.

Auf der Grenze

Auf der Grenzbrücke, mit Blick nach Osten

Ich verbrachte dann eine gute Stunde damit, mich in Zgorzelec umzuschauen und zurechtzufinden. Mit Schildern scheinen sie es in Poln nicht so zu haben, jedenfalls war es recht schwierig, die Straße in die richtige Richtung zu finden. Ich stattete mich auch mit einheimischem Geld aus: 407 Złoty gab es für 100 Euro in der Wechselstube. Ich weiß nicht, ob der Kurs gut ist, jedenfalls ist er besser als in der Wechselstube drei Straßen weiter, da gab es nur noch 404 Złoty. Ich rechne jedenfalls grob mit 4 Złoty auf 1 Euro, bis ich was besseres finde.

On the road

On the road: In Polen steht nicht alle 50 Meter in Pfahl an der Straße 🙂

Ich fuhr dann Richtung Jelenia Gora (Hirschberg), nicht weil ich da wirklich hinwollte (zu gebirgig und zu sehr ab von der Richtung), sondern weil das eben erst mal die richtige Strecke war. Der erste größere Ort war dann Luban (Lauban), von dort fuhrich weiter nach Gryfów (Greifenberg!). Dort ging ich in den Supermarkt und gab meine ersten 10 Złoty aus, für Wasser und Wurst. Wasser war nötig, denn der Tag war warm und sonnig, was schön ist, aber den Durst in die Höhe treibt.

Hügeliges Land

Schlesien ist gar nicht so flach, wie es auf den Karten aussah…

Und Schlesien ist zwar nicht gebirgig, aber auch nicht flach, so dass es ständig rauf und runter ging: Manchmal musste ich schieben, manchmal konnte ich mit Tempo 40 die Berge runterrollen (auch mal über 50, wie bei den Zahlen zu sehen ist). Von Gryfów ging es dann nordöstlich nach Lwówek (Löwenberg), und dort stellte ich fest, dass es gerade erst kurz nach zwei war und dieser Ort trotz 60 Kilometern auf dem Tacho nicht das Tagesziel sein konnte. Also weiter.

Lwówek

Lwówek: Nicht das Tagesziel, aber auch ganz hübsch

Das Ziel des Tages war dann im Endeffekt nach fast 90 Kilometern die Stadt Złotoryja (Goldberg), ein ganz wunderhübsches Städtchen mit einer putzigen Innenstadt, und außerdem einem HI-Hostel (HI ist Hostelling International, der internationale Jugendherbergsverband, in dem auch der DJH drin ist). Ich wurde also dort vorstellig und erhielt ein Bett im Sechserzimmer zum stolzen Preis von 21,50 Złoty (also etwas über 5 Euro).

Das Stadttor

Das Stadtor aus Pappe mitten in der Stadt. Wow.

Der Papst

Der Papst: Eine Statue von Jan Pawel II.

Der Preis enthält Bettzeug, aber kein Frühstück, dafür kostenloses Internet am Computer unten. Das Niveau ist simpel (als Füllung für den Bettbezug habe ich hier zwei Wolldecken, und Toilette sowie Dusche sind ein Stockwerk tiefer), aber für den Preis will ich gar nicht meckern. Zum Vergleich: In der JH in Leipzig habe ich für ein Bett im Sechserzimmer 27 Euro bezahlt. Mit Frühstück, dafür ohne Internet. Und das beste an meinem Sechserzimmer hier ist, dass nur ein Bett belegt ist, nämlich meins. Einzelzimmer!

Mein Zimmer

Mein Zimmer – ich habe mich sogar noch mehr ausgebreitet 🙂

Also, mir geht es gut in Polen, und ich hoffe, das geht so weiter. Fürs erste lasse ich es gut sein und fläze mich jetzt mit einem netten Film auf dem PC ins Bett. Gute Nacht also (oder, wie der Pole sagt: Dobranoc!)

Start: Görlitz (9:00); Ende:  Złotoryja (16:30)                                                
Tagesstrecke: 89,23 km; Zeit: 5:21:59; Avg.Speed: 16,62; Max Speed: 55,41

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Die Reise nach Breslau: Tag 10

Freitag, 20. Juli: Die Speiche

Was ein blöder Tag! Irgendwie war alles anstrengend, aber immerhin habe ich Görlitz erreicht und werde morgen die Grenze nach Polen überqueren. Heute morgen habe ich recht früh mein Zimmer geräumt und bin ein wenig umhergewandert, um dann gegen zehn mein Fahrrad abzuholen. Das war auch praktisch fertig, aber der Handwerker schlug vor, auch noch die Bremsbeläge auszutauschen, weil die doch arg abgerieben seien. Nach den letzten Tagen wunderte mich das nicht, ich stimmte also zu, ließ ihn arbeiten und schaute mich en wenig im Laden um. Ich erspähte zwei Wasserflaschen als Ersatz für meine alten, in denen irgendetwas gewachsen war (Algen oder so etwas, jedenfalls ging es nicht ab und ich wollte lieber neue Flaschen haben). Dann merkte der Mechaniker, dass mein Rücklicht nicht ging, tüdelte ein wenig, maß ein paarmal und stellte fest, es sei das Minuskabel. Das aber ordentlich (also in der Stange wie gehabt) zu verlegen würde etwas dauern, also beschloss ich, diese Reparatur auf nach der Fahrt zu verschieben. Erst später stellte ich fest, dass er bei der ganzen Tüdelei dafür gesorgt hatte, dass das Vorderlicht auch nicht mehr funktionierte. Derweil aber erspähte der Chefmechaniker mein Rad und schlug vor, den Lenker etwas zu verstellen, das sei besser für die Handhaltung; dann meinte er, ich solle mir noch ein paar Ergon-Griffe zulegen, das würde es perfekt machen. Zur Demonstration hob er ein Fahrrad aus dem Wandhalter, das auf der einen Seite einen gewöhnlichen Griff hatte und auf der anderen Seite den Ergon-Griff, und ließ mich einfach mal eine Runde drehen. Ich habe dann auch noch ein paar Ergon-Griffe gekauft und anbauen lassen. Im Endeffekt verließ ich den Laden um 10 vor 11 und hatte nicht nur neue Speichen, sondern auch neue Griffe. Wow. Jetzt aber los zur JH und meine Sachen einsammeln.

Zelle in Bautzen

Standardzelle in Bautzen II

Ich fuhr aber nicht gleich los aus Bautzen, sondern begab mich erst einmal zur Gedenkstätte am Orte des ehemaligen Gefängnisses Bautzen II, des Stasi-Gefängnisses, das heute im Wesentlichen als Museum eingerichtet ist. Interessant war es allemal, und auch ziemlich beklemmend. Es gab Leute, die waren mehrmals in Bautzen eingesperrt, einmal unter den Nazis (als Kommunisten) und einmal unter den Kommunisten (weil zu kritisch). Und nachdem die Räume, die ich zu sehen bekam, immer enger wurden, war ich irgendwann soweit, dass ich raus musste, und im Gegensatz zu den Vorgängen noch vor 25 Jahren konnte ich das auch. Jetzt aber wirklich raus aus Bautzen.

Löbau

Löbau Marktplatz

Während ich im Gefängnis war, war draußen ein Regenschauer niedergegangen, aber der tat nicht viel zur Sache. Ich zog zuerst die Regenjacke an, weil es etwas kühl war, aber bald fuhr ich ohne Jacke mit hochgekrempelten Ärmeln gen Löbau. In Löbau machte ich dann verspätet Mittag und ignorierte die Landesgartenschau (weil mich Gärten nicht so sehr interessieren). Ich fuhr weiter Hügel raus, Hügel runter gen Görlitz, und bei Tageskilometer 35 brach wieder eine Speiche im Hinterrad (ich glaube, es war sogar eine von den neuen). Na super! Vermutlich habe ich echt etwas zuviel Last drauf, aber dennoch sollte eine Speiche länger halten als 35 Kilometer. Ich fuhr dann einfach weiter (was hätte ich auch sonst tun sollen?) und erreichte schließlich Görlitz, wo mir ein der JH auch noch ein Zimmer zuteilwurde (eigentlich ein Zweibettzimmer, aber das zweite Bett wurde nicht belegt). Und dann fragte ich nach dem nächsten Fahrradladen. Der soll wohl nur zwei Ecken weiter sein, war dort aber nicht zu finden, also schickte man mich zu Little John’s Bikes, ein Laden derselben Kette wie der in Bautzen. Dort reparierte man nicht nur mein Hinterrad, sondern brachte auch das Licht in Ordnung, und zwar Vorder- und Rücklicht, innerhalb einer halben Stunde. Klasse gemacht, Jungs! Jetzt hoffe ich, dass das Rad noch drei, vier Tage durchhält, dann sollte ich in Breslau sein.

Der erste Hinweis

Das erste Hinweisschild nach Breslau

Ich nahm mir noch eine halbe Stunde Zeit für leichtes Sightseeing in Görlitz und kehrte dann in die JH zurück, um den morgigen Tag etwas zu planen. Meine Straßenkarte hilft ein wenig, aber ich werde wohl morgen doch erst mal die Hauptstraße nehmen und versuchen, Lauban zu erreichen. Und dann sehe ich mal weiter. Ich habe auch meinen Polnisch-Sprachführer zur Hand genommen und habe ein wenig geblättert, um den Umgang damit reinzubekommen. Fahrrad heißt auf Polnisch rower, was ich ganz witzig finde. Noch witziger finde ich aber, dass die Abteilung „Erste Kontakte“ nicht nur „Bitte“ und „Danke“ und „Ich heiße…“ beinhaltet, sondern bis zu „Gehen wir zu dir oder zu mir?“ reicht. Und wenn die gegenseitige Verständigung nur mit diesem Büchlein läuft, dann dürfte das auch wichtiger sein „Ich liebe dich“. Bin ja gespannt, ob ich das noch anwenden kann 😉

Görlitz: Altes Kaufhaus

Platz in Görlitz mit dem alten Karstadt-Kaufhaus (rechts)

Tango

Tangotanzende Menschen auf demselben Platz

Es schaut mich an

Mit drei Augen schaut es mich an…

So, genug geschrieben, morgen wird es spannend. Ich habe das Gefühl, dass morgen ein ganz neues Abenteuer losgeht, in einem fremden Land mit fremder Sprache. Dagegen war alles bisherige nur Vorgeplänkel. Also, Daumen drücken, alles wird gut.

Start: Bautzen (10:45); Ende:  Görlitz (17:00)                                               
Tagesstrecke: 51,04 km; Zeit: 3:07:46; Avg. Speed: 16,31; Max. Speed: 50,75

Voriger Teil: Tag 9 – Nächster Teil: Tag 11

Die Reise nach Breslau: Tag 9

Donnerstag, 19. Juli: Mehr Hügel und ein Regenguß

Es hätte der erste Tag werden können, an dem ich gar nicht nass werde, aber es hat nicht sollen sein. Aber von vorne. Der Tag begann schwerfällig; ich fühlte mich, als wäre ich bis zwei Uhr an der Theke gewesen. Hmm…ja. Ich bin also losgeradelt, immer die Straße entlang bis über die Elbe, und bin dann dem linkselbischen Radweg gefolgt bis zum Blauen Wunder (das ist eine Brücke).

Elbtal

Das Elbtal – in der Bildmitte das „Blaue Wunder“

Dort bin ich dann links abgebogen Richtung Radeberg. Leider war da ein Berg, den ich mich hinaufarbeiten musste, und das passte mir nicht so wirklich. Ich erreicht die Spitze und schließlich auch Radeberg. Nun, ich war an der Brauerei, aber besichtigen konnte ich sie nicht, dafür braucht man eine Voranmeldung. Ich machte dann stattdessen Mittag im Hotel Kaiserhof, das mit „Brauereiausschank Radeberger“ wirbt. Ein Zwickel ließ ich mir wohl munden, dazu gab es Bierfleisch an Schmorkohl mit Semmelknödeln, und obwohl ich nur die kleine Portion gewählt hatte, war ich danach angenehm satt und machte mich nun auf nach Bautzen.

Landschaft

Landschaft – sorry, heute habe ich irgendwie wenig spannende Bilder gemacht.

Kurz hinter Radeberg geschah dann ein Malheur: Eine Speiche brach durch. Das allein wäre kein größeres Problem, aber die Speiche gleich daneben war schon an Tag 2 gebrochen, und seitdem hatte ich keine Fahrradwerkstatt mehr gesehen. Jetzt mühte ich mich weiter, zunächst Richtung Bischofswerda, und fand sogar eine Fahrradwerkstatt, aber der Mann war komplett ausgelastet bis morgen. Ich fuhr also weiter nach Bautzen, meinem Tagesziel.

Bautzen

Bautzen

Ich fuhr in Bautzen ein, und dann öffnete der Himmel seine Schleusen: Innerhalb von zehn Minuten kam der ganze Regen herunter, der die letzten zwei Tage nicht heruntergekommen war. Ich hatte noch Zeit, die Regenjacke anzuziehen, wurde schön nass und konnte mich dann in einen Torbogen retten, wo ich den schlimmsten Sturm abwarten konnte. Als der Regen nachließ, fuhr ich weiter zur Jugendherberge (also etwa eine Minute Weg), lud ab und ließ mir einen örtlichen Fahrradladen empfehlen. Der war dann mein nächstes Ziel. Die Jungs sagten mir zu, dass ich mein Rad morgen bei Ladenöffnung um zehn fertig repariert abholen könne, und ich ging zufrieden zur JH zurück, betrieb dann ein ausgiebiges Bautzen-Sightseeing und bin jetzt wieder in der JH. Und müde.

Jugendherberge Bautzen

Jugendherberge Bautzen

Ich möchte morgen noch die Gedenkstätte im ehemaligen Stasi-Gefängnis besuchen und dann weiterfahren nach Görlitz. Jawohl, morgen wird mein letzter Reisetag in Deutschland.
Und jetzt gehe ich schlafen. Gute Nacht.

Start: Dresden (10:00); Ende:  Bautzen (17:00)
Tagesstrecke: 72,63 km; Zeit: 4:25:16; Avg.Speed: 16,43  ; Max. Speed: 51,72

Voriger Teil: Tag 8 – Nächster Teil: Tag 10