Die Reise nach Breslau: Tag 3

Freitag, 13.Juli: Regen und mehr Regen und tolle Gastfreundschaft

Über die Weser

Über die Weser: Ich fahre gern mit kleinen Flußfähren 🙂

Der Tag begann mit Regen, und er ging mit mehr Regen weiter. Aber eins nach dem anderen: Morgens schaute ich aus dem Fenster und sah Regen. Dieser ließ auch nach dem Frühstück nicht nach, und ich saß dann so in der Eingangshalle der Jugendherberge und versuchte, mich zum Losfahren aufzuraffen. Hilfe kam von einem Ehepaar, das ebenfalls mit dem Rad losfuhr und eben einfach rausging und losfuhr. Ich nahm das als Motivationshilfe: Das bißchen Wasser kann doch einem Münsteraner nichts ausmachen. Also, Fahrrad gepackt und los, und zwar erstmal bergauf, denn ich mußte den Berg überwinden, um wieder zur Weser zur kommen. Irgendwo habe ich dann auch die Landesgrenze nach Niedersachsen überquert (Bad Karlshafen und Helmarshausen befinden sich ja im nördlichsten Zipfel Hessens) und bin dann einige Kilometer an der Weser entlanggefahren (und per Fähre auch drüber). Ich sah Berge hier und Berge dort, zur rechten und zur linken, wenn auch mehr zur Rechten, also dort, wo ich nicht hinmußte. Ich wußte aber auch, daß ich irgendwann die Berge zur linken würde überqueren müssen.

Bergauf

Bergauf: Sieht gar nicht so steil aus, fühlt sich aber so an – zumal mit Gepäck.

Bei Oedelsheim war es soweit: Bergauf. 10% Steigung für 3 Kilometer. Ich bin das nicht gefahren, sondern habe geschoben. Ja, ich stehe dazu. Ich kann keine Bergfahrten keine Bergauffahrten, sagen wir mal…bergab geht besser). Immerhin hörte der Regen auf, und auf der anderen Seite warteten keine wesentlichen Anstiege mehr, und abgesehen von einem kräftigen Schauer in Adelebsen auch kein Regen. In Adelebsen wollte ich zu Mittag essen, aber alle Gaststätten waren dunkel und geschlossen. Erst auf dem Parkplatz des Edeka am Ortsausgang fand ich die Rettung: Einen Dönerstand. Das perfekte gesunde Radleressen: Fleisch, Gemüse und Brot 🙂

Mittagessen

Mittagessen: Meine Rettung 🙂

In Adelebsen erzählte mir auch ein älterer Herr, wie ich jetzt mit dem Fahrrad toll nach Göttingen kommen könnte. Ich habe versucht, das so zu fahren, und es hat auch einigermaßen geklappt: Lödingsen, Erbsen, Emmenhausen, dann habe ich den Weg verloren und bin wieder der Bundesstraße gefolgt. Das nächste Hindernis kam erst kurz vor Göttingen: Die A7. Ich konnte zwar eine Brücke sehen, die war aber nur für Autos, aber zum Glück gab es auch eine Unterführung (auf einem Wirtschaftsweg, extra für Fahrräder quasi). Und dann war ich auch binnen weniger Minuten in Göttingen-City und fand auch schnell den Friedländer Weg, wo mein Ziel wartete: KStV Franko-Borussia-Breslau. Die wußten nun noch nichts von ihrem Glück. Ich sah erst mal kein Schild und kein Zeichen, dass hier eine Studentenverbindung wohnt, also schellte ich mal bei „Gemeinschaftsraum“, und mir ward aufgetan.

Nun ist Franko-Borussia ein ganz interessanter Haufen. Es wirkt eher wie eine große WG, und der Senior erklärte mir auch schnell, dass man hier auf den „üblichen Verbindungsschnack“ nicht so stehe. Auf der anderen Seite wußte ich dann auch schon, dass es erstens Convente gibt und man zweitens einen netten Kartellbruder gern übernachten lässt, also scheinen sie doch ein anständiger Haufen zu sein. Offenbar machen sich manche andere Verbindungen vor Ort einen Spaß daraus, die Franko-Borussen zu ärgern (und benehmen sich wohl manchmal auf eine Art und Weise, die ich von unserem heimischen Corps kenne), so dass die größte Sorge der Kartellbrüder war, ich könnte einer von denen sein, die nur Ärger machen. Diesen Verdacht konnte ich schnell von mir weisen.

Drei Wappen

Drei Wappen im Conventsraum Franko-Borussiae

Ich bin jetzt seit fast sechs Stunden auf diesem Haus, habe mich schon sehr nett unterhalten, von mehreren Kartellbrüdern Bier und Abendessen gereicht bekommen, und ich fühle mich sehr wohl hier, obwohl die Franko-Borussen in vielen Belangen gar nicht das sind, was ich mir unter Verbindung im Allgemeinen und unter einer KV-Verbindung im Speziellen vorstelle. Convent in Badeschlappen? Ein Haus, das nach alternativer WG aussieht? Weder Fahne noch Wappen noch Schild am Haus? Ein völlig verwilderter (aber immerhin dadurch wunderschöner) Garten? Eine Aktivitas, die größtenteils nicht weiß, was „einen anhängen“ bedeutet? Frauen als Mitglieder? (Ich wollte letzteres gar nicht erwähnen, um meinen Gastgebern eventuell Ärger vom Verband zu ersparen, aber den Ärger erwarten sie ohnehin schon. Also sei‘s drum). Es fühlt sich spontan nicht wie ein Verbindungshaus an. Aber wie ich hier empfangen wurde, das war schon klasse. Insofern Daumen hoch für die tolle Gastfreundschaft.

Garten

Der Garten hinterm Haus Franko-Borussiae

Und jetzt, ja, sollte der Convent bald zu Ende sein, und dann werde ich wohl noch ein oder zwei Bier an der Theke trinken. Und dann heißt es schlafen gehen, auf zwei Matratzen im dann unbenutzten Conventsraum. Also schon einmal: Gute Nacht!

Start: Karlshafen-Helmarshausen (10:30); Ende: Göttingen (16:15)
Tagesstrecke: 57,58 km; Zeit: 3:59:10; Avg. Speed: 14,44; Max. Speed: 44,75

Voriger Teil: Tag 2 – Nächster Teil: Tag 4

Advertisements

2 Kommentare zu “Die Reise nach Breslau: Tag 3

  1. […] Teil: Tag 1 – Nächster Teil: Tag 3 Share with:FacebookE-MailDruckenGefällt mir:Gefällt mirSei der Erste dem dies gefällt. Dieser […]

  2. […] Teil: Tag 3 – Nächster Teil: Tag 5 Share with:FacebookE-MailDruckenGefällt mir:Gefällt mirSei der Erste […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s